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Aktuell
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Kulturinitiativen 2006 - 2008
Juliane Alton
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Kulturinitiativen sind längst etablierter Teil der Kulturlandschaft geworden. Die Trennung in Hoch- und Subkultur ist obsolet, in Bezug auf die Kulturinitiativen ist aus dieser Unterteilung jedenfalls nichts zu gewinnen, da die von ihnen präsentierte Kultur inhaltlich teils der Hochkultur zuzurechnen wäre, teils der Alternativkultur.
19 Kulturinitiativen haben sich an der umfangreichen Befragung beteiligt, das sind 61,3 % der 31 aktiven Mitglieder. Die erhobenen Daten decken also das Feld einer-seits gut ab, andererseits ist die Population insgesamt so klein, dass eine Kulturinitiative mehr oder weniger, eine Antwort mehr oder weniger, durchaus Verschiebungen der Durchschnittsergebnisse mit sich bringen kann. Deshalb ist ein linearer Vergleich mit den 2000 – 2002 und 2003 – 2005 erhobenen Daten nicht ohne weiteres möglich.
Die Zahl der Mitglieder der Kulturinitiativen steigt kontinuierlich. Im Durchschnitt hatten die Kulturinitiative im ersten Erhebungszeitraum 90 Mitglieder, im zweiten 115 und im aktuellen Erhebungszeitraum bereits 138 Mitglieder.
Die Beteiligung von Frauen in den bestimmenden Gremien der Kulturinitiativen beträgt mittlerweile genau ein Drittel, was die Vorstände betrifft und ist damit leicht gestiegen. In den Programmgruppen beträgt der Frauenanteil mittlerweile die Hälfte. Frauen sind also angesichts ihres knappen Hälfteanteils an der Mit-glieder-zahl nur mehr in den Vorständen unterrepräsentiert, nicht mehr in den programmverantwortlichen Gremien.
Nur die Hälfte der befragten Kulturinitiativen verfügt über ein eigenes Veranstaltungslokal (genau: zehn von 19). Die Zahl ist im Erhebungszeitraum gestiegen, 2006 waren es erst acht, die ein Lokal ihr Eigen nannten. Wenn auch nicht unbedingt anzustreben ist, dass alle mit eigenen Räumen versorgt sind, so besteht doch insofern Handlungsbedarf, als bestehende Räumlichkeiten zu guten Bedingungen verfügbar sein sollten und manche Räume der Anpassung an die Notwendigkeiten der jeweiligen kulturellen Nutzung bedürfen.
Die Zahl der Veranstaltungen der Kulturinitiativen wächst nunmehr eher mäßig und hat 2008 leicht abgenommen. Die 19 befragten Kulturinitiativen organisierten im Jahr 2008 1.115 Veranstaltungen, 2007 waren es mit 1.190 etwas mehr. Das zeugt einerseits von Professionalisierung und inhaltlicher Konzentration, andererseits ist dies auch ein Indiz für den Druck, der auf den Kulturinitiativen lastet: sie werden zum einen von Künstler/innen „gestürmt“ und versuchen zum anderen auch, gegenüber den Subventionsgebern mit guten Zahlen aufzuwarten. Es ist als gutes Zeichen zu werten, dass die Steigerung nicht ins Unendliche versucht wird. Eine inhaltliche Konsolidierung in regelmäßigen Abständen ist durchaus erstrebenswert, das gilt nicht nur für Kulturinitiativen. Gleichzeitig muss die Offenheit gegenüber „Nachwachsendem“ gewahrt bleiben – ein schwieriger Spagat.
Die Zahl der Besucher/innen ist beeindruckend: 124.899 Menschen haben 2008 Veranstaltungen der 19 Kultur-initiativen besucht, das sind im Schnitt pro Veranstaltung 112 Personen.
Interessant ist, dass der Anteil der Vorarlberger/innen an den insgesamt engagierten Künstler/innen zurückgegangen ist: waren es 2006 noch 39%, sind es 2008 nur mehr 35%. Es kann vermutet werden, dass es den Kulturinitiativen aufgrund der stagnierenden Budgets schwerer fällt, selbst mit Künstler/innen zu produzieren. Es wird daher etwas mehr eingekauft, wobei die Herkunft der Künstler/innen eher nebensächlich ist, denn sie sind mobil. Dennoch sind die Kulturinitiativen nach wie vor bedeutende Arbeit- und Auftraggeber für Vorarlberger Künstler/innen und Kulturschaffende.
Das inhaltliche Spektrum, das Kulturinitiativen präsentieren und vermitteln, ist breit. Oft sind sie die einzige Kultureinrichtung in einem kleinen Ort und fühlen sich dadurch verpflichtet, mit allen Sparten präsent zu sein. In den Ballungs-räumen hingegen gibt es spezialisierte Kulturinitiativen, die z.B. nur ein bestimmtes Musikgenre bringen. Film, Theater und Musik sind am stärksten vertreten, Literatur, Ausstellungen sind demgegenüber weit abgeschlagen, Bildungsveranstaltungen legen zu.
Migrant/innen, Frauen, Kinder und Jugendliche sind die wichtigsten Zielgruppen, die von Kulturinitiativen spezifisch angesprochen werden. Hochbetagte Menschen werden von nur zwei Kulturinitiativen bewusst angesprochen. Dabei werden nicht nur Programme präsentiert sondern auch intensive Vermittlungsarbeit geleistet, aktive Beteiligung der Zielgruppen angestrebt und damit ein wichtiger Beitrag zur lokalen und regionalen Identität und gesellschaftlichen Integration geleistet.
Die Werbung und die Medienarbeit der Kulturinitiativen sind von Geldmangel und von der starken Konzentration der Vorarlberger Medienlandschaft gekenn-zeichnet. Logisch erscheint, dass die Vorarlberger Nachrichten und die „Neue“ die am intensivsten genutzten Medien der Kulturinitiativen sind (obschon sich die „Neuen“ kurzzeitig ohne Kulturteil versuchte). Das kostenpflichtige „VN-Plus-Paket“ wird von den Kulturinitiativen vehement abgelehnt. Offenbar erwarten sie sich von einer Zeitung, die Presseförderung für Informationen in den Bereichen Politik, Wirtschaft und Kultur erhält, dass die regionale und lokale Kulturarbeit redaktionell betreut wird und jedenfalls im Veranstaltungsteil aufscheint.
ORF Hörfunk, Gemeindeblätter und der Standard folgen. ORF Fernsehen und Webkalender liegen zusammen auf dem dritten, die Kulturzeitschrift auf dem vierten Platz.
Die Zeitungen der Nachbarländer haben an Wichtigkeit verloren, liegen aber immerhin gleichauf mit den Gratisblättern. Das freie Radio Proton hat an Bedeutung gewonnen, die kommerziellen Privatradios verloren.
Eigene Medien (Plakate, Folder) sind nach wie vor wichtig für die Kulturinitiativen. Wie zu erwarten, haben E-Mail-Newsletter gegenüber dem Erhebungszeitraum 2003 –2005 weiterhin an Bedeutung gewonnen, eine eigene Homepage ist Standard.
Die Werbearbeit wird von den Kulturinitiativen als belastend empfunden, doch immerhin findet die mehr als Hälfte ihrer Aussendungen einen unmittelbaren Niederschlag in den Medien.
Kulturinitiativen erwirtschaften 55% ihrer Aufwendungen selbst: zu 8,6% in Form von ehrenamtlichen Leistungen, zu 46,4% über Karteneinnahmen und ähnliches, nur zu 45% stützen sie sich auf Subventionen. Das ist im Vergleich zu anderen Kultureinrichtungen ein ungeheuer hoher Eigenfinanzierungsgrad (Landestheater erwirtschaften rund 13,5% ihrer Aufwendungen selbst).
Die Gemeinden sind im Erhebungszeitraum nicht mehr die wichtigsten Subventions-geber, das Land hat sie überflügelt: ihr Anteil an den Subventionen der Kulturinitiativen beträgt 37,4%, jener des Landes 45%, jener des Bundes 17,4% (kräftig gesunken, zuvor 22%), jener der EU 0,2%. Andere öffentliche Subventions-geber (Arbeitsmarktförderung) spielen im Erhebungszeitraum eine marginale Rolle.
Die Bilanz über die Arbeit der Kulturinitiativen fällt gerade im Bereich Budget recht beeindruckend aus: Dies belegt die Subvention pro Eintrittskarte, die bei rund 17 Euro liegt (im Vergleich das Vorarlberger Landestheater: 55 Euro Subvention pro Eintrittskarte).
Das heißt, dass Kulturinitiativen jene Kulturanbieter sind, deren Produktivität gemessen am Einsatz der öffentlichen Mittel am höchsten ist. Wir dürfen darauf vertrauen, dass sie auch jene Einrichtungen sind, welche die stärkste aktivierende Wirkung aufweisen und so ein wesentlicher Faktor für den gesellschaftlichen Zusammenhalt sind.
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