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Kulturkonjunkturpaket

Juliane Alton

Gerade die Krise neoliberaler Wirtschaftsmodelle und ihre globalen Auswirkungen auf unsere Arbeits- und Lebens-welt, erfordern eine Neudefinition unseres Gesellschafts-modells. Die Menschen werden sich nicht länger allein über ihre Erwerbsarbeit definieren können, sie wird neu verteilt und neu bewertet werden müssen, ebenso wie Reproduktions- und Rekreationsarbeit. Der Selbstwert der Menschen und der soziale Friede werden stark von Möglichkeiten der Partizipation am öffentlichen, kulturellen und politischen Leben abhängen. Der Kulturbereich, insbesondere die Soziokultur, spielt hier eine entscheidende Rolle.
In Kunst und Kultur werden etablierte Normen zur Diskussion gestellt und alternative Partizipationsformen erprobt. Was liegt daher näher, als diesem Bereich gesellschaftspolitisch höchstes Augenmerk zu widmen, ihn zu unterstützen und auszubauen.

Die IG Kultur Vorarlberg, Kunst Vorarlberg, Literatur Vorarlberg, die Berufsvereinigung bildender Künstler/innen und der Landesverband für Amateurtheater schlagen daher das folgende Maßnahmenpaket vor:

I. Innovation

Gratis Zugang für Kinder zu Kulturveranstaltungen und -einrichtungen Nur 50 % der Bevölkerung nutzt kulturelle Angebote, wobei bildungsfernere Schichten deutlich unterrepräsentiert sind. Aktuelle Erfahrungen in England, Frankreich und Schweden zeigen, dass die Abschaffung der Eintrittsgelder in Museen zu einem immensen Anstieg der Besucherzahlen geführt hat, speziell junge Menschen nutzen die Angebote. Kulturelle Kompetenz ist eine der acht „Schlüsselkompetenzen“, die integrativer Bestandteil einer Bildungskarriere sein sollen.

Publikum gewinnen
Eine vom Land finanzierte Planstelle für Kultur- und Kunstvermittlung soll von allen Kunst- und Kultureinrichtungen genutzt werden können, die diesem Aufgabenfeld selbst nur wenig Arbeitskraft widmen können: freie Theater- und Tanzgruppen, bildende Künstler/innen, Musiker/innen und Bands, Kulturinitiativen für ihre Programme. Investitionen in ein zukünftiges Publikum sind gerade angesichts der finanziellen Probleme der Haushalte eine notwendige Maßnahme.

Innovative Kulturförderung
Thematische Ausschreibungen, kuratierte Ausstellungen und grenzüberschreitende regionale Projekte (im Speziellen Medienprojekte) wären wichtige Maßnahmen zur Innovation, da sie sowohl inhaltlich, als auch den Zugang betreffend, als auch in der organisatorischen Abwicklung neue Ideen realisieren.

Autonomes Kulturzentrum im Rheintal
Das bürgerschaftliche Engagement der Initiativgruppe für ein autonomes Kulturzentrum im Rheintal ist in vielerlei Hinsicht zukunftsorientiert und unterstützenswert: Menschen aller Altersgruppen, vor allem aber junge Leute planen ein neues offenes Kulturzentrum, das neben einer Vielzahl von Kulturveranstaltungen auch Ausbildungs- und Werkstättenprojekte, konsumzwangfreie Rückzugsräume und sozial orientierte Vorhaben beinhaltet. Die Arbeit wird ehrenamtlich organisiert, notwendig dafür ist ein geeignetes Gebäude.

II. Infrastruktur

Medienvielfalt entwickeln
Öffentlichkeit und die öffentliche Debatte sind Voraussetzungen für eine lebendige Kulturlandschaft. Wichtig sind deshalb der Ausbau eines webbasierten regionalen Kulturkalenders samt Hintergrundartikeln (Kultur online), die umfassende Unterstützung der Kulturzeitschrift sowie flächendeckender freier Rundfunk. Nur dann findet eine breite öffentliche Debatte über kulturelle Phänomene im weitesten Sinn statt.

Ausbau der Beratungseinrichtungen
Die administrativen Zwänge für Kulturschaffende nehmen aufgrund von neuen Verpflichtungen ständig zu (z.B. Mitarbeitervorsorge für Selbständige), im selben Ausmaß nimmt die Energie, sich damit zu beschäftigen, ab. Beratung ist deshalb für die erfolgreiche selbständige Erwerbsarbeit im Kulturbereich ebenso wie für Einrichtungen und alle Mischformen von Erwerbsarbeit wichtiger denn je. Die Interessenvertretungen im Kulturbereich sind alle nicht ausreichend dotiert, um z.B. eine gemeinsame Telefon-Hotline für alle Arten von rechtlichen Fragen aus dem Kulturbereich zu betreiben. Die Bereitschaft zur verbandsübergreifenden Kooperation in diesem Feld ist jedenfalls vorhanden, kann aber mangels personneller Ressourcen nicht umgesetzt werden.

Kombilohnsystem für gemeinnützige Organisationen in Kooperation mit dem AMS
Ein solches wird in der Steiermark seit ca. zehn Jahren mit Erfolg praktiziert: Kultur-, Umwelt- und Sozialein-richtungen können damit mehr Arbeitskräfte besser bezahlen, langzeitarbeitslose Menschen kommen in den ersten Arbeitsmarkt zurück (besonders hohe Erfolgsquoten in Bezug auf Wiedereingliederung!) und dem gemeinnützigen Zweck der Einrichtung ist gedient.

Absicherung professioneller Kulturarbeit durch Einführung des Gehaltsschemas der GPA für Vereine im Kulturbereich
Im freien Kulturbereich gibt es weder Kollektivverträge noch Mindestlöhne. Obschon der Ausbildungsgrad besonders hoch ist, liegt die Bezahlung im Allgemeinen weit unter jener, die von der Gewerkschaft der Privatangestellten für die Mitarbeiter/innen von Vereinen vorgeschlagen wird. Arbeit im Kulturbereich muss man/frau sich leisten können, auch die ehrenamtliche Arbeit.

Abschaffung der Kreditbindung
Die rechtliche Unsicherheit über die Höhe einer Subvention stellt Kultureinrichtungen mit längeren Planungs-horizonten vor unübersteigbare Schwierigkeiten. Sie werden auf Kosten der rechtlichen Integrität von Vorständen und Geschäftsführer/innen gelöst. Nun, da das neue Kulturfördergesetz mehrjährige Förderungen ermöglicht, scheint die Kreditbindung in der praktizierten Form umso weniger zeitgemäß. Absicherung ermöglicht mutige, zukunftsorientierte Projekte. Unklarheiten bremsen die Innovationskraft.